Gruttenhütte (1620M)

Schutzhütte des TAK München auf der Südseite des Wilden Kaisers und oberhalb von Ellmau gelegen.

Bewirtschaftet wird die Gruttenhütte in dem Zeitraum von Pfingsten bis Mitte Oktober (Kirchweih), Notunterstand (4 Lager) mit AV-Schlüssel. Das Haus hat 50 Betten und 102 Lager.

Anstieg

Von der Wochenbrunner Alm (Mautstraße), ca. 1.15 Std.
Von Ellmau ca. 2.30 Std.
Von Scheffau ca. 3 Std.
Von Going ca. 3.30 Std.

Geschichte der Gruttenhütte

Das erste Hüttchen des TAK im Wilden Kaiser wird 1891 auf dem Gipfel der Ellmauer Halt eröffnet. Der Plan auf der Südseite des Wilden Kaisers eine Hütte zu eröffnen wird mit der am 14./15. Juli 1900 eröffneten Gruttenhütte realisiert. 1922 wird das Josef-Dorn-Haus angebaut, 1938 das zweite Schlafhaus (Emil-Kempfle-Haus).

Nach Einheimischen, die schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kaisergipfel aufsuchen, kommen um 1869 Bergsteiger aus München hinzu, unter ihnen Carl Babenstuber, späteres Gründungsmitglied des TAK. Fünf Kranzler stellen 1883 auf der Ellmauer Halt (2344 m), dem höchsten Gipfel des Kaisergebirges, ein Metallkreuz auf.

Fünf Jahre nach der Beteiligung an der ersten Winterbegehung der Ellmauer Halt, stürzt 1890 bei einem Besteigungsversuch der Watzmann-Ostwand, Christian Schöllhorn ab – der erste tragische Bergunfall im Kranzl, der einem der hoffnungs-vollsten Bergsteiger seiner Zeit das Leben kostete.

Carl Babenstuber plant den Bau eines Unterstandes auf dem Gipfel der Ellmauer Halt. Obwohl (noch) nicht Eigentum des Vereins, hat die Eröffnung im Jahre 1891 des Hüttchens für die Vereinsgeschichte und die Kaiser-Erschließung große Bedeutung. Im Einverständnis mit der Sektion Kufstein, die den hochalpinen Stützpunkt dem TAK abgetreten hat, werden 1897 größere Aufwendungen für die Instandsetzung der Wege geplant.

Und wieder ist es Carl Babenstuber, der an seinem einmal gefaßten Plan festhält, und eine Jubiläumshütte an der Südseite des Wilden Kaisers erbauen will. Ein Standort dafür wird in der Umgebung der Quelle, des sogenannten „Gruttenbründls“, gefunden. Im Sommer erteilt Kufstein die Konzession zum Betrieb des Gast- und Schankgewerbes und im Herbst 1899 steht das Haus schon unter Dach. 1900 findet die festliche Eröffnung mit einer prächtig verlaufenden Vorfeier in Ellmau und einer vielhundert-köpfigen Menschenmenge am neuen Haus statt. Noch im selben Jahr werden als Ergänzungen Glasveranda, Waschhaus und Mulistall errichtet. Gleichzeitig werden Weganlagen von Bärnstatt über Kaiserhochalm zur Gruttenhütte (heutiger „Wilder-Kaiser-Steig“), von der Wochenbrunner Alm zur Gruttenhütte, von dieser zum Kopftörl und über das Hochgrubach zu den Gamsängern sowie zur Sandreiße unter dem Ellmauer Tor erbaut.

Mit der Einweihung der Straße von Kufstein über den Eiberg nach Ellmau im Jahr 1913 wird auch eine Buslinie eingerichtet und so verkürzt sich der Zugang zur Gruttenhütte erheblich. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wird die Gruttenhütte geschlossen und bleibt während des ganzen Krieges unbewirtschaftet. Nach Kriegsende sind gründliche Ausbesserungen nötig, wenn auch hier die Aufwendungen nicht so groß sind wie beim Rotwandhaus.

Hüttenreferent der Gruttenhütte, Josef Dorn, kann die Sektion von der Notwendigkeit ein großes Schlafhaus zu errichten, überzeugen. Die Gemeinde Ellmau stellt kostenlos das benötigte Bauholz zur Verfügung. 1922 übernimmt das TAK das Haus als „Josef-Dorn-Haus“. Die Schlafräume, hell und geräumig, haben Platz für drei Betten, vierundzwanzig Matratzenlager und vierzehn Strohsäcke. Der Hüttenwirt, Hans Eisenmann, hat 1925 eine vorbildliche Steiganlage geschaffen, über die man direkt von der Gruttenhütte aus ohne Höhenverlust durch das „wilde G`schloß“ zum Ellmauer Tor gelangt. Um 1938 ist ein erneuter An-, Um- und Ausbau der Gruttenhütte fällig. Zwischen Haupthaus und Josef-Dorn-Haus entsteht das Schlafhaus II (das heutige „Emil-Kempfle-Haus“) mit Betten und großem Matratzenlager.

Während des Zweiten Weltkrieges wird auch die Gruttenhütte beschlagnahmt und wird unter Treuhänderschaft gestellt. Erst durch die Aufhebung der Grenzsperren nach Österreich und Schweiz entsteht 1951 ein stark touristischer Aufschwung. In den `60er Jahren sind wieder sehr große Um- und Ausbaumaßnahmen notwendig und bewirken die Vereinbarung eines neuen Pachtvertrages für die nächsten 25 Jahre mit der Generaldirektion der Österreichischen Bundesforste. Erst 1981 ist der Kaufvertrag über die knapp 2000m² große Grundfläche der Gruttenhütte nach zweijährigen, von Hüttenreferent, Emil Kempfle, mit der Forstbehörde, geführten Verhandlungen abgeschlossen. Die Reparaturarbeiten, die durch eine Staublawine am Josef-Dorn-Haus notwendig wurden, können in diesem Jahr beendet werden.

Die kleine Babenstuber-Gipfelhütte ist nun nach vielen Jahren, mehreren verschiedenen Blitzeinschlägen und Renovierungen in einem so desolaten Zustand, dass ein Neubau an anderer Stelle unumgänglich ist. Ein Jahr später bekommt das von vielen Blitzeinschlägen zerbeulte und nun neu renovierte Gipfelkreuz einen schönen und gut sichtbaren Standplatz nördlich oberhalb der Gruttenhütte.

Nach der neuen Quellfassung muss man feststellen, dass die Ergiebigkeit kaum größer geworden ist. Außerdem muss eine Ozon-Entkeimungsanlage installiert werden. Nach dem Winter werden im Frühjahr 1995 drei Telefonmasten, die nur noch vom Kabel gehalten werden, wieder mal selbst repariert – die Österreichische Post lehnt jegliche Reparatur ab, will damit Einrichtung und Betrieb eines kostspieligen Funktelefons durchsetzen.

Kurz vor dem 100.Geburtstag (2000) der Gruttenhütte wird der Abwasserkanal fertiggestellt. Mit dieser Baumaßnahme ist nun nicht nur die Wasserent- und versorgung, sondern auch die Versorgung mit Elektrizität und Telefon für die Zukunft sichergestellt.

In den darauffolgenden Jahren sind noch eine Holzterrasse an der Ostseite des Haupthauses errichtet, sanitäre Anlagen sowie die Räume für Pächter und Personal modernisiert worden.

Im Jahr 2017 fanden umfangreiche bauliche Veränderungen statt. Die beiden Nebengebäude wurden komplett entfernt und die Gruttenhütte großzügig erweitert und modernisiert.