Die Geschichte der TAK Skiabteilung

Aus „125 Jahre Turner-Alpen-Kränzchen, 1872-1997, Eine Chronik“, Autor: Bernd Rost

Skiabteilung (1912, 1920, 1946)

Im Jahr 1912 wird das TAK Alpenvereinssektion und gründet am 28. November eine eigene „Skiriege“, der 25 Mitglieder angehören. In den Kriegsjahren kann sich der Skilauf natürlich nicht recht entfalten, dafür gewinnt er in der darauffolgenden Zeit viele Anhänger.

Die Skiabteilung als Verein

Hauptsächlich auf Veranlassung von Albert Ganzenmüller (TAK-Eintritt 1912), der schon die Skiriege angestoßen hatte, und Hermann Schallhammer (TAK-Eintritt 1906) treten 1920 neuerdings die Skiläufer zusammen und gründen einen eigenen Verein „Skiabteilung der Sektion TAK e. V.“. Nach Satzung dürfen ihm nur Mitglieder des TAK angehören, es gibt einen eigenen Ausschuß, der Vereinsvorsitzende ist zugleich Wart für Skiwesen im TAK. Bei aller Selbständigkeit des neuen Vereins ist damit von vornherein ein enges Zusammenarbeiten mit der Sektion gewährleistet.

Die neue Abteilung zählt anfangs 55 Mitglieder, Vorsitzender ist Georg Lichtenecker. Einem Touren- und dem Sportwart obliegt es, dem Zweck des Vereins, „der Pflege des alpinen und sportlichen Skilaufes“ Ausdruck zu geben. Als vordringliche Aufgabe wird die Ausbildung des Skilaufens noch unkundiger Mitglieder betrachtet. In Oberstdorf organisiert Albert Ganzenmüller einen Skikurs, an dem 40 Kranzler teilnehmen.

Im nächsten Jahr (1921) bereits nimmt die Skiabteilung eine Almhütte in Pacht, eine der Schönfeldalmen am Jägerkamp, etwa 1500 m hoch gelegen. Die Ortsgruppe Holzkirchen pachtet ab 1924 eine der Oberaudorfer Almen am Trainsjoch. Ein weiterer Stützpunkt für die Muttersektion, die am Südhang der Benediktenwand gelegene Scharnitzalm, wird im Jahr 1929 angepachtet und zweckmäßig ausgebaut.

Die Münchner Staffelläufe

Von Beginn an beteiligt sich die Skiabteilung des TAK an sportlichen Wettbewerben: Lange Jahre (ab 1922) nimmt eine große Mannschaft am Staffellauf Grünwald teil und kann den Wanderpreis der Münchner Abendzeitung wiederholt gewinnen.

Schon 1924 beteiligt sich das TAK am großen, allgemeinen Staffettenlauf, der viele Jahre auf gleicher Strecke von der Rotwand über Berg und Tal nach Tegernsee hinüber ausgetragen wird. Die erste Mannschaft (Hauzeneder, Otto Reismüller, Albert Ganzenmüller, Emil Hautmann, Anton Stitzinger) kann sich an 25. Stelle unter etwa 70 Staffeln behaupten. Schon 1925 arbeitet sich das TAK überraschend auf den 5. Platz vor (Otto Reismüller, Ernst Zottmann, Adi Toltschiner, Hans Stitzinger, Alois Liebl). Beim Allgäuer Staffellauf 1926 ist das TAK der Sieger (Otto Reismüller, Josef Huber, Franz Niedermeier, Ernst Zottmann, Walter Mundhenke). Bei den Deutschen Winterspielen in Garmisch wird die TAK-Staffel als dritte bayrische Staffel eingesetzt und kommt auf den achten Platz aller deutschen Verbandstaffeln Sieger (Otto Reismüller, Andreas Höck, Josef Huber, Franz Niedermeier, Otto Steinhauser).

Beispiele für die Streckenführung der damaligen Wettbewerbe:

Interne TAK-Skimeisterschaft am Rotwandhaus 1924: Rotwandhaus 1737 m – Kirchstein 1802 m – Untere Maxlrainer-Alm 1263 m – Taubensteinsattel 1592 m – Kleintiefental 1540 m – Miesingsattel 1704 m – Großtiefental 1500 m – Ziel unter der Kümpflscharte 1695 m (Bestzeit und Sieger: Otto Reismüller mit 43 Minuten!).

Münchner Stafettenlauf 1926: 1. Strecke: Bodenschneidhaus 1353 m – Freudenreichsattel 1371 m – Wurzhütte 1085 m (Otto Reismüller), 2. Strecke: Wurzhütte – Schwarzenkopfhütte 1338 m – Taubensteinsattel 1592 m – Kleintiefental 1540 m – Miesingsattel 1704 m – Großtiefental 1500 m (Ernst Zottmann), 3. Strecke: Großtiefental – Kümpflscharte 1695 m – Waitzinger-Alm (Josef Huber), 4. Strecke: Waitzinger-Alm – Längental – Suttenhütte (Otto Steinhauser), 5. Strecke: Suttenhütte – Stümpflingsattel 1484 m – Spitzingsee 1085 m (dann das Drama: Bei einem Vorsprung von 5 Minuten bricht Franz Niedermeier bei der Abfahrt vom Stümpflingsattel der Ski, er muß aufgeben!).

Die Erfolge der Spitzenläufer

Fidel Wagner wird 1936 Bayerischer Skimeister in der Nordischen Kombination und damit Olympiateilnehmer. Franz Steinhauser wird 1937 Bayerischer Skimeister. In den folgenden Jahren bis Kriegsbeginn tragen viele weitere Spitzenläufer zu den Erfolgen der Skiabteilung des TAK bei: Alois Simon, Karl Wöhrle, Karl Kugler, Heini Mittermeier, die Brüder Karl und Walter Ringer, Bertl Pfeiffer, Anton Kleebauer, Toni Sporer, Keßler. Mit vielen vorderen Plätzen bei Gau-, Verbands- und Deutschen Meisterschaften kann die TAK-Skiabteilung sich im Münchner, bayerischen und deutschen Skisport einen beachtlichen Namen erringen.

Die Skikurse für den Breitensport

Skikurse für „Jünglinge“ und „Haserln“ geben erste Unterweisungen in der weißen Kunst. Von Sonntagskursen geht man zu Wochenkursen zwischen Weihnachten und Neujahr über. Englwarz im Allgäu, Langenwang bei Oberstdorf und schließlich Altstätten bei Sonthofen (1928 – 1935) sind die Orte, wo Kranzler und Gäste unter der Leitung geprüfter Lehrer des Deutschen Skiverbandes (DSV) als Anfänger und Fortgeschrittene ausgebildet werden. Die Gäste lernen hier den besonderen „Kranzlergeist“ kennen, die „gemütliche, zwanglose Geselligkeit, die keinen Klassenunterschied kennt – jene Fröhlichkeit, die immer nobel bleibt“.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wird die „Skiabteilung des TAK“ als Verein per Dekret aufgelöst. Anstatt einer Neugründung wird sie, unter der Leitung von Otto Reismüller, eine Abteilung des 1946 wieder gegründeten „Bergsteigervereins TAK“. Durch Vorstandsbeschluß vom 6.12.1950 werden Haushamer- und Scharnitzalm in unmittelbare Verwaltung des TAK übernommen. Die Hüttenwarte sind seitdem Referenten im Verwaltungsausschuß des TAK. Die Oberaudorfer Alm bleibt an die Holzkirchner Ortsgruppe weiterverpachtet.

Der Neuanfang als Skiabteilung im Kranzl

Obwohl viele gute Läufer im Krieg bleiben, macht Karl Wöhrle trotz schwerer Verwundung weiter. Nachwuchsläufer aus dem Jungkranzl wie Paul Keller, Hans Steinhauser, Karl Mehling und Erich Reismüller (Sohn von Otto und Anna Reismüller) knüpfen mit vielen Erfolgen in den folgenden Jahren an alten Traditionen an.

Doch schon Mitte der Fünfzigerjahre wird die Leistungsspitze bei Meisterschaften sehr breit. Läufer aus Gebirgsgegenden in ständigem Training schrauben die Leistungen so hoch, daß die Teilnehmer der Skiabteilung, die ja im Beruf stehen und nur am Wochenende trainieren können, nicht mehr mithalten können. Es sind immer dieselben Kranzler, die man als Teilnehmer bei gauoffenen Aufstiegs- und Gedächtnisrennen findet.

Die Barbi

Dann taucht als Zwölfjährige erstmalig Barbi Henneberger (Tochter von Golo und Gugu Henneberger, * 4.10.1940) bei den internen TAK-Skimeisterschaften im Jahr 1953 auf. Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit tritt sie 1954/1955 bei den Jugendmeisterschaften und eilt danach von Sieg zu Sieg: 1957 deutsche Jugendmeisterin, 1960 Bronzemedaille in der Olympia-Abfahrt Squaw Valley, 1962 Studentenweltmeisterin, Deutsche Kombinationssiegerin, Zweite beim Internationalen Silberkrugrennen Bad Gastein, Siegerin im Drei-Gipfel-Rennen Arosa, 1964 Fünfte bei der Olympia-Abfahrt Innsbruck.

Sie ist siebenmalige deutsche Meisterin zwischen 1960 und 1964 und erhält als eine der besten Läuferinnen der Nachkriegszeit das Silberne Lorbeerblatt der Bundesregierung und den Ehrenbrief der Stadt München. Ein Lawinenunglück während Filmaufnahmen im Val Saluver / Oberengadin setzt ihrem Leben am 12.4.1964 mit nur 23 Jahren ein tragisches Ende. Sie bleibt im TAK unvergessen!

Nach dem Krieg werden auch 1956 die Skikurse wieder aufgenommen, die 1957 und 1958 auf dem Rotwandhaus, 1956 und ab 1959, zuletzt 1973 generell auf der Haushamer Alm stattfinden.

Mitglieder der Skiabteilung nehmen bis heute bei den seit den Sechzigerjahren beliebten „Volks-Langläufen“ teil, die sich im Laufe der Jahre zu echten Massenveranstaltungen entwickeln (u.a. „Engadin-Marathon“, „König-Ludwig-Lauf“, „Koasa-Lauf“).

Die Skigymnastik

Im Jahr 1973 kommt Helmut Graßold ins Spiel: Er organisiert eine „TAK-Skigymnastik“, die erstmals am 8.10.1973 jeden Montag von 19-21 Uhr (außerhalb der Schulferien) in der Turnhalle der St. Anna-Volksschule stattfindet. Sie erfreut sich sofort großer Beliebtheit und findet seit 1975 in der Volksschule an der Droste-Hülshoff-Straße statt. Seit dem Jahr 1992 wird die Skigymnastik jeweils zu Beginn der Pfingstferien beendet und beginnt wieder nach Ende der Sommerferien. Von 18-19 Uhr ist jeweils Freizeit-Volleyball, anschließend von 19-20 Uhr Skigymnastik mit Lauf-, Bodentraining und Stretching – geleitet von ausgebildeten Trainer(inne)n. Seit Frühjahr 1996 endet die Skigymnastik bereits zu Beginn der Osterferien.

Die Skischule

1974 übernimmt Helmut Graßold von Ottmar Schmid die Leitung der Skiabteilung. Er gründet die „TAK-Skischule“, die jeweils an 4 Samstagen ab Februar 1974 meist zu Skiorten in der österreichischen Nachbarschaft fährt, Brigitte Fahsel kümmert sich um die Ausbildung der TAK-Skilehrer. Aus den 10 Teilnehmern des ersten Jahres werden 1975 bereits dreißig, die mit Privat-Pkw die Skiorte ansteuern, allerdings durch starke Verspätungen auf der Anfahrt die Kurszusammenstellung erschweren. So entschließt man sich 1976 zu Busfahrten, ab 1979 wird der Skikurs auf 5 Samstage erweitert. Die Teilnehmerzahlen wachsen, Einbußen bringen nur späte Winter oder schlechte Schneeverhältnisse. So wird die Skischule bis heute weitergeführt – von Anfang an werden „alpine“, in letzter Zeit auch „nordische“ Mitfahrer (sofern das Skigebiet Zugang zu Loipen hat) zugelassen.

Die Langlaufkurse

Nach ersten Versuchen Helmut Graßolds mit Langlaufkursen in den Jahren 1975 und 1977, organisiert im Dezember 1978 der Skiwart Nordisch, Rolf Hering, erstmals auch für die Langläufer Kurse als Busfahrten. An drei Sonntagen vor Weihnachten fährt man in bekannte Langlaufgebiete – bevorzugt im deutschen Revier (Krün, Klais, Jachenau, Oberammergau, Wildsteig, ersatzweise auch Leutasch). Ein großer Spaß mit dem Bus, mit Mittagspause in einem netten Lokal, mit Videoaufzeichnungen, die am Abschlußabend live vorgeführt werden.

Der Schnee hält fast jedes Jahr, nur in den letzten Jahren mußte die Skiabteilung einige Einbrüche und Ausfälle erleben, so daß seit 1995 auch das Mitfahren von Langläufern in den Bussen der „TAK-Skischule“ praktiziert wird. Doch sind die Kombinationsmöglichkeiten von Ski- und Langlaufgebieten in Österreich nur eingeschränkt möglich aber immerhin bietet es zusätzliche Möglichkeiten für die TAK-Langläufer.

Der Waldlauf, das Radfahren

Seit 26.9.1964 tragen auch Waldlauf-Wettbewerbe zum Konditionstraining der Skiläufer bei, die bis 1969 von Dr. Georg Braun in Aichach organisiert werden. Ab 1970 übernimmt Rolf Hering die Organisation im Forstenrieder Park (Forsthaus Oberdill), seit 1979 werden die Waldläufe in Wangen bei Starnberg abgehalten meistens im Monat Oktober.

Im Herbst 1974 werden auch die „TAK-Radltage“ eingeführt, die zuerst in Straßlach, ab 1985 in Harmating und seit 1990 in Herdweg-Ottenhofen als Rad-Zeitfahren veranstaltet werden – überwiegend im Monat Juni.

Der Mehrkampf wird zum Vierkampf

Um alles unter einen Hut zu bringen, hat der Leiter der HTG, Fritz Buchwald, im Jahr 1975 die Idee einen „TAK-Mehrkampf“ der Skiabteilung einzuführen, der die Disziplinen Langlauf, Riesentorlauf, Waldlauf, Radzeitfahren, Skigymnastik und Bergwandern umfaßt – ergänzt durch weniger alpine Wettbewerbe wie Laufen (400, 1000, 5000 m), Hoch- und Weitsprung, Ballweitwurf, Kugelstoßen und Schwimmen (200, 500 m). 10 Disziplinen sind daraus auszuwählen, doch ist der Aufwand zu groß, die Teilnehmerzahl stagniert.

So wird der „TAK-Mehrkampf“ 1983 durch den „TAK-Vierkampf“ abgelöst, der bis heute stattfindet und alle offiziellen TAK-Wettbewerbe zusammenfaßt: Im Lauf der Jahreszeiten Skilanglauf, Riesentorlauf, Radzeitfahren und Waldlauf. Jeweils ein weiblicher und männlicher Teilnehmer mit der größten Punktzahl aus allen Wettbewerben ist Sieger in der Damen- bzw. Herrenklasse. Doch Ziel bleibt die Teilnahme, größter Erfolg ist das „Durchkommen“ bei allen Wettbewerben, dieser wird am Jahresende mit einer jährlich wechselnden, sehr attraktiven Ehrengabe an alle Teilnehmer belohnt.

Die Nachfeier zum 75jährigen Jubiläum

Im Jubiläumsjahr 1997 wird dieser Wettbewerb erstmals offen für DAV-Sektionen des Ober- und Unterlandes sowie Sportvereinen mit Ski- und Bergsportabteilungen ausgeschrieben. Man erwartet sich dadurch nicht nur höhere Teilnehmerzahlen, sondern vielleicht auch ein paar zusätzliche Mitglieder.

Ende 1996 hat die Skiabteilung 337 Mitglieder, davon 37 Jugendliche und Kinder. 48 Mitglieder der Skiabteilung gehören zum Zweig Markt Schwaben.